Fildertunnel | PfA 1.2
Überblick
Auf einer Länge von 9,5 km verbindet der Fildertunnel (PfA 1.2) den im Talkassel liegenden Hauptbahnhof mit der rund 155 m höher liegenden Filderebene.
Der Fildertunnel schließt dabei, unter der Urbanstraße, nahtlos an den neuen Hauptbahnhof an. Auf einer Länge von rund 250 m verläuft er zunächst gemeinsam mit dem Tunnel Obertürkheim in zwei je zweigleisigen Tunnelabschnitten, bevor er sich vom Tunnel Obertürkheim trennt, der unter dem Wagenburgtunnel in zwei eigenständigen Röhren Richtung Obertürkheim abbiegt. Der Fildertunnel führt von hier auf kürzestem Weg auf die Fildern und unterquert dabei die Stadtteile Degerloch und Möhringen. Der Abschnitt endet südöstlich Fasanenhof, im Bereich der Autobahn-Anschlussstelle Degerloch, unmittelbar neben der A 8.
Auf seinem Weg steigt das Bauwerk von rund 230 m auf 385 m an. Im Durchschnitt werden dabei 16 Höhenmeter je Kilometer Länge überwunden (16 Promille). Die Überdeckung liegt zu Beginn bei wenigen Metern und steigt schnell auf bis zu rund 220 m an.
Der Fildertunnel ist am Übergang zum Hauptbahnhof mit bis zu 100 km/h befahrbar, in der unteren Hälfte mit 160 km/h und im oberen Abschnitt mit 250 km/h. Die beiden eingleisigen Röhren liegen weitgehend in einem Achsabstand von rund 30 m und sind alle 500 m durch Rettungsstollen miteinander verbunden.
Rund vier Kilometer des Tunnels führen durch unausgelaugten Gipskeuper. Gestützt auf Forschungen und langjährige Erfahrungen mit diesem anspruchsvollen Baugrund wurde ein mehrstufiges Sicherheitskonzept entwickelt.
Für die Bauzeit ist an der Sigmaringer Straße, zwischen Möhringen und Degerloch, ein Zwischenangriff vorgesehen. Der 1,3 km lange Stollen führt zu dem hier rund 120 m unter dem Gelände liegenden Tunnel.
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Chronologie
Der Verlauf des Tunnels orientiert sich an der Luftlinie und wurde im Rahmen zahlreicher Untersuchungen zu seiner heutigen Form geführt.
Die Planfeststellung wurde am 17. Dezember 2001 beantragt. Der erste Erörterungstermin fand im April 2003 in Bad Cannstatt statt. Am 18. August 2003 beantragte die Deutsche Bahn eine Planänderung, mit der die Zahl der Zwischenangriffe von zwei auf einen reduziert und der Verlauf des Tunnels modifiziert wurde, sie wurden im März 2004 in Degerloch erneut erörtert. Der Planfeststellungsbeschluss wurde am 19. August 2005 durch das Eisenbahn-Bundesamt erlassen. Dieses Baurecht besteht bis heute uneingeschränkt.
Ein Änderungsantrag zum Bauverfahren (in Teilbereichen: Maschinen- statt Spritzbetonvortrieb) wurde bereits erörtert, die Genehmigung durch das EBA wird erwartet.
Der Bauauftrag für den Fildertunnel und den daraus abzweigenden Tunnel Obertürkheim wurde am 30. Juli 2011 an eine Arbeitsgemeinschaft unter Führung der PORR-Gruppe vergeben. Das Auftragsvolumen beträgt rund 750 Millionen Euro. Ende 2012 sollen die Bauarbeiten beginnen und rund fünf Jahre in Anspruch nehmen.
Variantenprüfung – die Wahl des geeigneten Standorts
Bei der Wahl des Standorts für einen Zwischenangriff spielt außer den technischen und logistischen Voraussetzungen auch der Schutz von Mensch und Natur eine große Rolle. Für den Antrag auf Planfeststellung hatte die DB ProjektBau zunächst zwei Standorte ausgewählt, an denen jeweils oberirdisch nur tagsüber gearbeitet werden sollte: die Zwischenangriffe Sillenbuch und Weidachtal. Für beide hatte es zahlreiche Alternativen gegeben, die aus den unterschiedlichsten Gründen weniger geeignet waren, z. B. weil sie Eingriffe in Waldgebiete, Boden oder Wasserhaushalt mit sich gebracht hätten, die Baustelleneinrichtungsfläche nicht ausreichend groß gewesen wäre oder Baustellenverkehr durch Wohngebiete hätte geführt werden müssen.
Sigmaringer Straße: Ein Zwischenangriff im 24-Stunden-Betrieb
Während des Planfeststellungsverfahrens erhielt die DB ProjektBau den Auftrag, die Wahl der Zwischenangriffe Sillenbuch und Weidachtal detaillierter zu begründen. Im Zuge dessen wurden auch diverse neue Varianten genau überprüft. Dabei wurde auch ein Vorschlag des Naturschutzbunds Deutschland NABU aufgenommen und weiterentwickelt. Das Ergebnis: Bei Abwägung aller Vor- und Nachteile schneidet die neue Variante Sigmaringer Straße am besten ab. Dieser Zwischenangriff liegt so weit entfernt von Wohngebieten, dass dort Tag und Nacht gearbeitet werden kann. Und damit wiederum ist nun statt der ursprünglichen zwei Zwischenangriffe nur noch einer notwendig.
Zwischen Degerloch und Möhringen
Der neue Zwischenangriff erstreckt sich mit seiner oberirdischen Baustelleneinrichtungsfläche von ca. 1,75 Hektar über ebenes, bisher als Ackerfläche genutztes Gelände entlang der B 27 zwischen Degerloch und Möhringen. Auf dieser Fläche sind – neben der Rampe und dem Portal zum Zwischenangriffsstollen – eine Zwischendeponie zur Lagerung von Aushub, verschiedenste Einrichtungen zur Versorgung der unterirdischen Baustelle mit Frischluft, Wasser, Strom und Baustoffen, Büro-, Werkstatt- und Aufenthaltsräume sowie Einrichtungen zur Behandlung des Brauchwassers untergebracht. Baustraßen verbinden die Teilbereiche miteinander.














