Filder-Dialog S21
Die Deutsche Bahn hat nach eingehender Betrachtung zahlreicher und verschiedenster Alternativen im Oktober 2002 die Antragstrasse in das Planfeststellungsverfahren eingebracht. Sie ging aus einer intensiven Variantenuntersuchung hervor, die mit der Machbarkeitsstudie von 1994 begonnen und mit dem Antrag auf Planfeststellung am 2. Oktober 2002 vorläufig abgeschlossen wurde. Die Planung wurde seither in Zusammenarbeit mit den Fachbehörden optimiert. Soweit sich durch den Filder‐Dialog keine wesentlichen Ergänzungen ergeben, können die detaillierten Pläne ausgelegt und die betroffenen Bürger angehört werden.
Mit der Antragstrasse werden die vereinbarten Zielsetzungen (Prämissen) voll erfüllt.
Das Verkehrskonzept
Der Filderraum würde mit der Verknüpfung von Fern‐, Regional‐ und S‐Bahn‐Verkehr am Flughafen in alle Richtungen eine attraktive Schienenverkehrsanbindung erhalten:
- Die Fahrzeit ins Stuttgarter Zentrum würde zukünftig nur noch acht statt heute 27 Minuten betragen.
- Nach Ulm wäre man statt heute 104 nur noch 29 Minuten unterwegs (Regionalverkehr).
- In Böblingen wäre man in 11 statt heute 21 Minuten.
- Auch nach Reutlingen (26 statt 70 Minuten) und Tübingen (36 statt 64 Minuten) ginge es zukünftig spürbar schneller.
- Der heute vielfach notwendige Umstieg in Stuttgart Hbf Richtung Filder würde zukünftig für viele Reisende entfallen.
Neben einer erstklassigen Anbindung für den Filderraum sowie der Anbindung des Landesflughafens und der Landesmesse entstünde eine in Baden‐Württemberg einzigartige Verkehrsdrehscheibe zwischen dem Luft‐, Schienen‐ und Straßenverkehr. Zum Angebot gehören dabei auch die Stadtbahn, deren Linie U6 zum Flughafen‐ und Messegelände verlängert werden soll, Stadt‐, Regional‐ und Fernbusse sowie die S‐Bahn, die perspektivisch bis Neuhausen und ggf. weiter ins Neckartal ausgebaut werden soll.
Die neue Linienführung von Böblingen über den Flughafen zum Hauptbahnhof ist, gegenüber dem heutigen Weg über die Gäubahn drei Kilometer länger. Auf dem Abschnitt zwischen dem Flughafen und dem neuen Hauptbahnhof ist der neue Schienenweg dabei wesentlich schneller befahrbar (weitgehend 160 statt heute rund 80 km/h). Trotz des zusätzlichen Halts am Flughafen bleiben die Reisezeiten zwischen Böblingen und dem Hauptbahnhof damit praktisch unverändert.
Video: Neue Zugverbindungen auf den Fildern | 25.05.2012
Die Antragstrasse im Detail
Die Neubaustrecke Stuttgart–Wendlingen(–Ulm)
Zwischen dem Südportal des Fildertunnels und dem östlichen Rand des Flughafen‐Rollfeldes entsteht im Planfeststellungsabschnitt 1.3 ein 5,3 km langer Abschnitt der Neubaustrecke Stuttgart—Wendlingen(—Ulm).
Der Abschnitt ist mit einer Geschwindigkeit von 250 km/h befahrbar. Züge, die nicht am Flughafen halten, können damit mit Streckengeschwindigkeit am Flughafen vorbeifahren.
Die Neubaustrecken‐Trasse ist durch die bereits planfestgestellten benachbarten Abschnitte 1.2 (Fildertunnel) und 1.4 (Filderbereich bis Wendlingen) sowie die enge Bündelung mit der Bundesautobahn 8 festgelegt. Sie ist Bestandteil aller Varianten.
Der neue Flughafenbahnhof (Station NBS) mit dem Flughafentunnel
Die Antragstrasse sieht für den Zugverkehr von und nach Ulm (Friedrichshafen, Augsburg, München) und Tübingen (Reutlingen) einen neuen, zweigleisigen Bahnhof am Flughafen‐ und Messegelände vor. Er läge rund 150 m nördlich des Terminals und der S‐Bahn‐Station.
Der Bahnhof würde über den 3 km langen, zweigleisigen Flughafentunnel in beiden Richtungen mit der von Stuttgart über Wendlingen nach Ulm führenden Neubaustrecke verbunden. Um die rund 15 Meter tiefen Fundamente der angrenzenden Messehallen zu unterfahren, lägen die Bahnsteige ca. 27 Meter unter dem Gelände. Insgesamt zwölf Expressaufzüge würden die Bahnsteigebene mit der Oberfläche verbinden.
Die beiden rund 405 m langen Bahnsteiggleise lägen in zwei getrennten, bergmännisch errichteten Röhren im Abstand von rund 20 m. Sie würden durch sechs Verbindungsbauwerke verbunden, die im Ernstfall eine Evakuierung in den zweiten (sicheren) Bahnsteigbereich erlauben. Bestandteil der Planung sind auch Fluchttreppenhäuser, Notausgänge sowie Entrauchungsbauwerke; drei der Aufzüge sind als Feuerwehraufzug geplant.
Das Betriebskonzept sieht drei Regionalzüge pro Stunde und Richtung sowie je einen zweistündlichen Fernzug vor. Bei Bedarf (beispielsweise im Messeverkehr) wären zusätzliche Züge möglich. Der Flughafentunnel wäre am Übergang zur Neubaustrecke mit 100 km/h befahrbar, im Bahnhofsbereich mit 80 km/h.
Wege von der Station NBS zum Terminal
In der Antragstrasse sind zwischen der 26 Meter unter dem Gelände liegenden Station NBS und dem Terminal bzw. der bestehenden S-Bahn-Station (Station Terminal) etwa 200 Meter zurückzulegen. Der zentrale Zugang der Station NBS läge an der Messe‐Piazza. Ein weiterer Zugang entstünde rund 200 Meter östlich, südlich des Parkhauses P10.
Ausbau der bestehenden S-Bahn-Station für den Regional- und Fernverkehr
Für den Zugverkehr aus und in Richtung Böblingen, Horb und Zürich würde die bestehende S‐Bahn‐Station für den Fern‐ und Regionalverkehr ertüchtigt. Der Bahnsteig würde dazu von heute 210 auf 297 m verlängert. Die nördliche Bahnsteigkante würde auf das für Fern‐ und Regionalbahn übliche Niveau von 76 cm abgesenkt. Die südliche Bahnsteigkante verbliebe auf 96 cm und würde weiterhin dem S‐Bahn‐Verkehr dienen.
Der Umbau der Station würde dabei brandschutztechnisch wie ein Neubau behandelt. Dabei ist eine umfangreiche neue Ausrüstung vorgesehen. So soll die Entrauchungsanlage ausgebaut und neue Hochdrucksprühnebelanlagen angelegt werden. Daneben sind zusätzliche Ausgänge vorgesehen.
Die Station würde über die Flughafenkurve an die Neubaustrecke Richtung Stuttgart angeschlossen. Die zweigleisige Kurve wäre weitgehend mit 80 km/h befahrbar, am Übergang zur Neubaustrecke Stuttgart—Wendlingen mit 100 km/h. Für die Anbindung Richtung Böblingen/Horb würde die Bestandsstrecke bis Oberaichen genutzt.
Ausbau der Bestandsstrecke
Der bestehende, rund 6,5 km lange Streckenabschnitt zwischen der zukünftigen Rohrer Kurve bei Oberaichen und der Station Terminal würde im Rahmen der Antragstrasse zukünftig neben den heutigen vier S‐Bahnen pro Stunde und Richtung, die auch in Zukunft vorgesehen sind, zusätzlich von einem stündlichen Regionalzug und einem zweistündlichen Fernzug je Stunde und Richtung befahren. Insgesamt würden damit fünfeinhalb Züge pro Stunde und Richtung auf der Strecke verkehren. Im Berufsverkehr wären zusätzliche Züge möglich.
Eine Neubaustrecke für die zusätzlich geplanten 1,5 Züge pro Stunde und Richtung wäre neben einer bestehenden Strecke, die noch genügend Kapazität aufweist, weder aus wirtschaftlichen noch aus planungsrechtlichen Gründen genehmigungsfähig. Die zusätzliche Belastung der Siedlungsgebiete entlang der Strecke durch Schallimmissionen hielte sich aufgrund der moderaten zulässigen Geschwindigkeit (70 bis 100 km/h) und den insgesamt leisen modernen Fahrzeugen des Regional- und Fernverkehrs in engen Grenzen. Güterverkehr ist im Abschnitt zwischen Leinfelden und dem Flughafen auch in Zukunft nicht zulässig.
Für den geplanten Mischverkehr würde auf den oberirdischen Abschnitten zwischen der Station Leinfelden und der Station Terminal der Gleisabstand von 3,80 m (S‐Bahn‐Standard) auf 4,00 m (Fernbahn‐Standard) vergrößert. Dieser Abschnitt war um 1990 für die S‐Bahn neu gebaut worden. Im Bereich der beiden Tunnel(abschnitte) Echterdingen (618 m) und Flughafen (rund 500 m vom Portal bis zur Station) wäre eine solche Aufweitung dabei nur mit einem weitreichenden Eingriff in die bestehende Bausubstanz möglich. Nach sorgfältiger Abwägung aller Alternativen beantragte die Deutsche Bahn AG daher eine Ausnahmegenehmigung für den Mischbetrieb von Fern‐/Regionalzügen und S-Bahnen. Diese Ausnahmegenehmigung wurde im Juni 2010 erteilt und sieht eine Reihe von zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen vor. Damit dürfen zukünftig auch Regional‐ und Fernzüge durch die beiden S‐Bahn‐Tunnel fahren.
Die Rohrer Kurve
Nördlich der A8 bei Oberaichen entstünde die Rohrer Kurve. Die zweigleisige Kurve wäre rund 800 Meter lang und mit 80 km/h befahrbar. Auf der Westseite wäre die Kurve damit höhenfrei, auf der Ostseite würden Regional- und Fernzüge Richtung Böblingen das Gleis der S-Bahnen zum Flughafen kreuzen.Die anschließenden Streckenabschnitte würden dabei angepasst.
Die heute geplante Form ging aus einem Optimierungsprozess hervor, um die Eingriffe in das umgebende Waldgebiet zu minimieren. Daraus ging der 490 m lange Tunnel Rohrer Kurve hervor. S‐Bahnen Richtung Stuttgart würden darin zukünftig die Rohrer Kurve unterqueren.
















