Ingo Rust und Volker Kefer

Zwei Männer und ein Bahnhof

Interview mit dem SPD-Staatssekretär im Finanzministerium und dem Technikvorstand im Bahnkonzern

Ingo Rust und Volker Kefer
Ingo Rust und Volker Kefer

Ingo Rust, SPD-Staatssekretär im Finanzministerium, und Volker Kefer, Technikvorstand im Bahnkonzern, sitzen beide im Lenkungskreis für Stuttgart 21. Fünf Fragen an zwei, die jetzt gemeinsam am Zug sind. 

1. Sie haben in der Vergangenheit am runden Tisch manches eckige Problem besprochen. Sind Sie sich persönlich grün?
Ingo Rust: Natürlich. Wir verstehen uns sehr gut und arbeiten auch gut und gerne zusammen. Es besteht also keine Gefahr, dass der runde Tisch eckig wird. Im Übrigen kann man einen runden Tisch ja ausziehen. Der dann quasi ovale Tisch hat auch keine Ecken und Kanten, aber genügend Platz für Kontroversen.
Volker Kefer: Herr Rust und ich arbeiten nun schon geraume Zeit Seite an Seite für Stuttgart 21. Für unser gemeinsames Ziel, das Projekt im vorgesehenen Kostenrahmen zu bauen, können wir uns auf eine in der Sache professionelle und - wie ich finde - menschlich sehr respektvolle und angenehme Art der Zusammenarbeit verlassen. Das ist gut für uns und gut für das Projekt.

2. Mal angenommen, Sie könnten für einen Tag Ihre Jobs tauschen. Was würden Sie in der neuen Rolle als erstes tun?
Ingo Rust: Vermutlich nichts Weltbewegendes. Die Einarbeitungszeit in diese hochinteressante, verantwortungsvolle, aber auch sehr komplexe und vielfältige Tätigkeit würde sicher deutlich mehr als einen Tag beanspruchen.
Volker Kefer: Der Wert eines Rollentausches wäre vermutlich weniger, dann etwas tun zu können, was man sich von seinem Gegenüber bislang vergeblich gewünscht hat, sondern vielmehr ein noch besseres Verständnis für die Zwänge und Nöte des anderen zu gewinnen.

3. Worin liegt für Sie die größte Chance des Projekts und wohin das größte Risiko?
Ingo Rust: Stuttgart 21 bietet sehr viele Chancen, aber auch einige Risiken, über die in den letzten Jahren, vor allem in der Volksabstimmung zu S21 ausführlich geredet, diskutiert und geschrieben wurde. Es fällt mir deshalb schwer, mich auf "die größte" Chance oder auf "das größte" Risiko festzulegen. Aus der Sicht eines Staatssekretärs im Finanz- und Wirtschaftsministerium ist die Stärkung des gesamten Wirtschaftsstandorts Baden-Württemberg sicherlich eine sehr große Chance des Projekts. Als das für die baden-württembergischen staatlichen Schlösser und Gärten zuständige Ministerium freue ich mich persönlich sehr darüber, dass der Schloßgarten und der Rosensteinpark um 20 Hektar deutlich vergrößert werden. Ein Risiko liegt darin, dass der Kostendeckel "gelupft" werden könnte. Zu diesem Risiko haben wir als Landesregierung eine klare Haltung: Wir beteiligen uns nicht an den Mehrkosten, die über den vereinbarten Kostenrahmen hinausgehen.
Volker Kefer: Das Bahnprojekt bietet den Menschen im Land eine einmalige verkehrliche, wirtschaftliche und städtebauliche Chance. Wir haben die Möglichkeit, über ein Verkehrsprojekt Konjunktureffekte für die ganze Region zu heben und neue Wege bei einer nachhaltigen Stadtentwicklung zu gehen. Ich kenne keine vergleichbare Stadt oder Region in Deutschland, wo das möglich ist. Risiken gibt es bei jedem großen Bauprojekt. Genau deshalb ist es unser Ziel, diese durch ein solides Projektmanagement immer im Blick zu haben, um, wenn nötig, frühzeitig gegenzusteuern.

4. Auf den Fildern steht in den nächsten Wochen ein Dialog über die Strecke zum Flughafen an. Was erhoffen Sie sich davon?
Ingo Rust: Die Lösung, die allen Erwartungen und Interessen gerecht werden würde, wird es auf den Fildern vermutlich nicht geben. Dazu liegen die Meinungen zu weit auseinander. Durch die öffentliche Diskussion der Planungsprämissen, der Bewertungskriterien und der Vor- und Nachteile verschiedener Varianten der Trassenführung erhoffe ich mir jedoch mehr Toleranz und Verständnis für diejenige Trassenführung, für die sich die Projektträger letztendlich entscheiden werden. Die Landesregierung will im Übrigen mehr Bürgerbeteiligung wagen. Ich glaube, dass der Filderdialog ein guter und richtiger Schritt in diese Richtung ist.
Volker Kefer: Der Dialog auf den Fildern ist ein klares Signal auch der Bahn für Transparenz und Partizipation. Meine Hoffnung ist, dass unser ehrliches Bemühen anerkannt wird, auf die Bürgerinnen und Bürger zuzugehen, zu erklären, was wir beabsichtigen zu tun und darüber zu diskutieren, ob und in welcher Art und Weise wir den Anlieger-Interessen noch besser gerecht werden können.

5. Bitte vervollständigen Sie zum Schluss diesen Satz: Jetzt, wo Stuttgart 21 gebaut wird, müssen Volker Kefer und Ingo Rust...
Ingo Rust: ... so wie bisher gut zusammen arbeiten und Stück für Stück die anstehenden Herausforderungen und aufkommenden Fragen klären. Da wir beide gelernte Ingenieure sind, sehe ich dem gelassen entgegen. Nicht umsonst heißt es in dem bekannten Lied von Heinrich Seidel: "Dem Ingenieur ist nichts zu schwer."
Volker Kefer: ... auch einmal die Zeit finden, sich gemeinsam über den Fortschritt des Projekts zu freuen.

Stand: Mai 2012

Das Interview finden Sie auch in "Bezug – Das Projektmagazin", Ausgabe 01, das Sie unter anderem im Turmforum kostenlos erhalten oder hier herunterladen können.