Manfred Leger
Vorsitzender der Geschäftsführung der DB Projekt Stuttgart–Ulm GmbH

Nach Ihrem Dialekt zu urteilen, gehören Sie nicht der in Stuttgart ansässigen Landsmannschaft an. Wo stammen Sie her?
Nun, ich mache keinen Hehl aus meinen Münchner Wurzeln. Aber ich freue mich, dass ich in Stuttgart jetzt eine wunderbare Wohnung gefunden habe.

Was ist Ihre Aufgabe bei der Bahn?
Ich habe die Aufgabe, das Gesamtprojekt Stuttgart–Ulm bis Ende 2021 fertigzustellen. Dieser Termin steht für mich so unverrückbar wie eine Weltmeisterschaft. Gleichzeitig will ich Stuttgart 21 für unter sechs Milliarden Euro bauen, die Neubaustrecke nach Ulm für 3,25 Milliarden. Das mag vielleicht ambitioniert klingen, ist aber machbar.

Was haben Sie sich konkret vorgenommen?
Ich will, dass dieses Projekt positive Schlagzeilen macht und wir vor allem die Bürger über unsere Baustellen frühzeitig und besser informieren. Dazu arbeite ich mit dem Projektsprecher Wolfgang Dietrich und dem Kommunikationsbüro an einem effektiveren Weg für die Baustelleninformationen.

Wo machten Sie Ihre beruflichen Erfahrungen?
Ich beschäftige mich seit mehr als 15 Jahren mit Eisenbahn- Infrastruktur und zwar global. Meine berufliche Karriere begann bei MBB in München, weitere Stationen folgten bei AEG Schienenfahrzeuge und der damaligen Daimler Benz-Tochter Adtranz in Berlin. Seit 2000 war ich in verschiedenen Führungspositionen bei Balfour Beatty tätig, zuletzt in London.

Von London nach Stuttgart: Was reizt Sie daran, im politisch verminten Gelände einen neuen Bahnknoten zu verwirklichen, gegen den montags immer wieder demonstriert wird?
Ich will zeigen, dass die Deutsche Bahn Großprojekte kann, auch im guten Zusammenwirken mit den Projektpartnern. Und ich will der Bevölkerung unmittelbar vor Augen führen, dass hier ein Projekt entsteht, von dem nicht nur künftige Generationen profitieren, sondern das ganze Land einen Gewinn hat, der sich in Euro und Cent auswirkt. Das wird schon bald sichtbar werden.

Und wie wollen Sie die Andersdenkenden überzeugen?
Stuttgart 21 entsteht nicht im luftleeren Raum oder im Keller der Deutschen Bahn, sondern mitten in der Landeshauptstadt. Es müssen die Bürger und auch ihre Vertreter in den Gremien und Parlamenten ein Interesse daran haben, dass es nicht zu weiteren Verzögerungen kommt, sondern gut und schnell gebaut wird. Wir von der Bahn werden unser Baurecht nutzen – aber wir werden auch Spielräume prüfen, um Bauabläufe zu optimieren.

Für eine solche Mission muss man auf die Leute zugehen und man sollte ihre Sprache sprechen. Deshalb ein kleiner Eignungstest. Wie geht folgende schwäbische Hymne weiter? „Auf der schwäb’sche Eisebahne…“
„… gibt’s gar viele Haltstatione: Stuttgart, Ulm und Biberach, Mekkenbeura, Durlesbach.“ Und das trotz meiner bayrischen Mundart – da staunen Sie, was?


Quelle: Bezug 06 | Oktober 2013