Roland Klenk

"Zwischen Traum und Alptraum"

Ein Interview mit Leinfelden-Echterdingens Oberbürgermeister über die Entwicklung auf den Fildern

Roland Klenk, Oberbürgermeister von Leinfelden-Echterdingen
Roland Klenk, Oberbürgermeister von Leinfelden-Echterdingen


Die Filderebene gerät wieder ins Fadenkreuz der Planer. Diesmal geht es nicht um den Flughafen und auch nicht um die Messe, sondern um einen Fernbahnhof und eine ICE-Strecke. Droht erneut Ungemach im grünen Winkel zwischen Autobahn und Flughafen?

Es könnte Ungemach drohen. Die geplante Neubaustrecke betrifft uns stark und stößt in der Bevölkerung auf Besorgnis. Das hat sich auch bei der Volksabstimmung gezeigt, wo es bei uns nur eine sehr knappe Mehrheit für Stuttgart 21 gab. Die Anrainer der S-Bahnstrecke, die mehr als zwei Kilometer durch unsere Stadt führt, fürchten mehr Lärm und Erschütterungen. Außerdem sind die Menschen darüber besorgt, dass durch den geplanten Fernverkehr auf der bestehenden Trasse der Nahverkehr leiden könnte.


Leinfelden-Echterdingen kann sich kaum retten vor Anfragen namhafter Firmen. Der Standort ist unschlagbar. Autobahn, Bundesstraße, S-Bahn, Flughafen und jetzt auch noch ein Fernbahnhof. Davon träumen andere Städte.
Es ist manchmal ein schmaler Grat zwischen Traum und Alptraum. Ich gehöre zu denen, die die Anbindung des Flughafens und der Messe und damit letztlich auch unserer Stadt an den Schnellzugverkehr begrüßen. Das ist ein langfristig wirkender Standortfaktor, mit dem die Hoffnung einhergeht, dass viele Automobilisten in Zukunft auf die Bahn umsteigen werden. Davon profitieren alle. Andererseits muss darauf geachtet werden, dass es nicht nur global Gewinner gibt, sondern auch lokal. Dafür kämpfe ich.


Im Rahmen des Filderdialogs wird ja bereits über eine neue Variante geredet, bei welcher der geplante Fernbahnhof parallel zur Flughafenstraße läge. Dann könnte der von Süden kommende Fernverkehr in den Flughafenbahnhof einfahren und müsste sich an dem Haltepunkt die Gleise nicht mit der S-Bahn teilen. Die Wege würden kürzer, Nah- und Fernverkehr wären in der Station getrennt. Geht das in die richtige Richtung?
Auf alle Fälle wäre dies eine deutliche Verbesserung gegenüber der alten Planung. Eine der Sorgen geht ja dahin, dass durch den Mischverkehr letztlich der Nahverkehr leiden könnte. Diese Sorgen wären dann teilweise vom Tisch. Und das wäre ganz in unserem Sinne.


Könnte es nicht am Ende ausgehen wie bei der Messe, gegen die sich Leinfelden-Echterdingen mit viel Geld und lauten Protest gewehrt hat. Heute nennt sich ihre Kommune Messe- und Flughafenstadt. Die Kraft des Faktischen. Ende gut, alles gut?
Was den Wirtschaftsstandort betrifft, wird Leinfelden-Echterdingen sicher sehr gut fahren mit diesem Projekt. Aber es gibt eben auch eine andere Seite. Unsere Gemarkung stand in den vergangenen Jahren immer wieder im Mittelpunkt übergeordneter Planungen. Stichwort Flughafen und Messe. Deshalb kommt aus meiner Sicht bei einem Jahrhundertprojekt, dessen Wirkung sich über sehr lange Zeiträume entfalten wird, auf den einen oder anderen Euro nicht zwingend an. Im Blick auf das Gesamte sind zusätzliche Investitionen zu rechtfertigen, wenn man dafür Zufriedenheit bei den Menschen vor Ort schaffen kann.


Sie sind gerade 60 geworden. Wenn Sie 70 sind,
… jetzt bin ich aber gespannt …


…halten superschnelle Züge vor ihrer Haustüre befördern sie blitzschnell von A nach B. Ist das keine schöne Perspektive für den Ruhestand?
Erst mal muss ich so alt werden. Wenn ich es dann bin, gehe ich davon aus, dass ich zum Ende einer bewegten Amtszeit mein Leben entschleunigen werde. Und das ist auch eine schöne Perspektive.


Stand: April 2012

 

Bezug – Das Projektmagazin | Mai 2012 | Ausgabe 1
Bezug – Das Projektmagazin | Mai 2012 | Ausgabe 1

Lesen Sie im neuen Projektmagazin "Bezug" unter anderem die Reportage "Filderebene im Fokus".

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