Susanne Offenbach

Fernsehjournalistin und Kolumnistin

 

Susanne Offenbach
Susanne Offenbach

  • Jahrgang 1943
  • Zeitzeugen-Gespräche im Haus der Geschichte, Stuttgart
  • Dokumentarfilme, SWR
  • Kolumnistin bei Sonntag Aktuell








Stand: Oktober 2009


Frau Offenbach, Hand aufs Herz, fahren Sie lieber mit der Bahn oder mit dem Auto?

Lange, direkte Strecken gerne mit der Bahn. Rings in der Region – Auto.
Viel mehr ginge, wenn Mobilitäts-Konzept à la Stuttgart mit Mietauto, E-Bike etc. am Zielort winkte.


In Stuttgart und der Region sehen viele Menschen mit Sorge dem Projekt entgegen, ein Teil der Bevölkerung lehnt das Projekt gänzlich ab. Woher rührt Ihrer Ansicht nach diese negative Grundeinstellung?
Zu viele sind immer gegen alles Neue. Gegen die Neue Messe, gegen das Kunstmuseum, gegen Hochbahnsteige…Vielleicht ist das ein Preis unserer Wohlstandsregion. Anderswo würden solche Projekte bejubelt.


Als Fernsehjournalistin und Kolumnistin gehört kritisches Hinterfragen zu Ihrem Handwerk. Haben Sie auch das Bahnprojekt Stuttgart–Ulm genau unter die Lupe genommen?

Aussichtsplattform Turmforum
Aussichtsplattform Turmforum

Ich gehöre nicht zu den „Pufferküssern“, die jede Schraube kennen. Aber Bahn-Gegner und Befürworter schenken sich ja nichts im Schlag- und Argumentenaustausch. Jeder, der wissen will, kann informiert sein.
Die Schwierigkeiten des Projekts sind bekannt, die Risiken auch. Die wird man kritisch begleiten. Wichtig ist jetzt Offenheit in jeder Phase – gerade wenn die Neuigkeiten prekär sein sollten.


Als man Sie gefragt hat, ob Sie Mitglied im Kommunikationsbeirat des Bahnprojekts werden wollen, mit welcher Intention haben Sie sich dieser Aufgabe angenommen?

Die Region Stuttgart hat sich prächtig entwickelt in den letzten zehn Jahren. Sie darf nicht abgehängt werden. Dabei sollten Profis aller Branchen mitarbeiten.


Mit welchen Argumenten würden Sie versuchen, diejenigen vom Projekt zu überzeugen, die diesem kritisch gegenüber stehen?
Zum Glück gibt es das Turmforum. Mit glänzender Aussicht gratis. Oder Seiten wie diese.


Zehn Jahre Bauzeit – viele Stuttgarter und Bahnreisende sehen ein Szenario des Schreckens auf sich zukommen. Auch Sie sind beruflich viel unterwegs, wie sehen Sie den Bauarbeiten entgegen?
Wer je ein Haus gebaut oder renoviert hat weiß: ohne Durststrecken geht nichts. Auch S-Bahn-Baustellen waren lästig – heute das Erfolgsmodell der Region.


Europa ist vielen fern und die Einbindung  in das europäische Hochgeschwindigkeitsnetz scheint nicht jeden zu überzeugen. Worin liegen für Sie die Vorteile im Ausbau des Schienennetzes durch das Bahnprojekt?
Europa fern?  Wieso eigentlich? Wir leben mitten in Europa. Der TGV macht uns schon vor, wie schnell das sein kann. Und: mit S21 wird Stuttgart optimal in das Hochgeschwindigkeitsnetz mit eingebunden sein.


In der Kritik steht auch der Umbau des denkmalgeschützten Hauptbahnhofs. Wie beurteilen Sie den neuen Durchgangsbahnhof des Architekten Ingenhoven und die Umgestaltung des Bonatzbaus?

Turmforum, Ebene 7
Turmforum, Ebene 7

Der Bonatzbau ist ziemlich verkommen. Müsste sowieso renoviert werden. Wer kennt die Seitenflügel überhaupt? Wer wird sie vermissen?
Die virtuelle Ansicht des Architekten ist hübsch, aber unverbindlich. Das gilt auch für Pläne, so weit ich sie verstehe (Turmforum). Beurteilen werde ich erst, wenn alles fertig ist. Aber die Latte liegt hoch – es gibt schöne Bahnhöfe z. B. in Zürich oder Berlin.


Wo heute noch Züge fahren, stehen nach der Fertigstellung von Stuttgart 21 mehr als 100 Hektar Flächen für die städtebauliche Entwicklung zur Verfügung. Wenn Sie gestalten dürften, wie würde Ihr Stadtteil der Zukunft aussehen?

So eine Riesenchance für Stuttgart! Wer hätte gedacht, dass sich dieser Kessel jemals derart öffnen ließe. Jetzt ist alle Fantasie und Kraft für diese Fläche gefragt. Die Stadt ist Eigentümerin von rund 70 Hektar, da kann sie vielleicht einiges frei lassen für nächste Generationen, damit die bauen können ohne vorher abzureißen.


Sie sprechen oft unangenehme Wahrheiten aus. Was möchten Sie dem Bahnprojekt Stuttgart–Ulm für die nächsten zehn Jahre mit auf den Weg geben?
Wer in der Kommunikation einen Geburtsfehler hat, muss umso tüchtiger sein. Das Drexler-Team muss die Baustelle zu einer Attraktion machen wie es beim Potsdamer Platz in Berlin gelang. Die Bahn selber – Akzeptanz wie in der Schweiz müsste erreichbar sein. 


Worauf freuen Sie sich?

Susanne Offenbach
Susanne Offenbach

Aufs Fertigwerden! Hätten wir vor zehn Jahren angefangen, würde heute angepfiffen – zu einem deutlich niedrigeren Preis. Ich freue mich aber auch auf die architektonischen Lösungen, die im Bahnhofsbereich entstehen. So etwas interessiert mich immer.