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Bahn macht Bäume fit für den Juchtenkäfer

Waldstück bei Waldenbuch wird für den Juchtenkäfer aufgewertet

Stuttgart, 30.10.2018

Im Rahmen des Projekts Stuttgart 21 mussten für den Bau des Tunnels Bad Cannstatt im Februar 2018 sechs Juchtenkäferpotenzialbäume im Flora-Fauna-Habitat Gebiet des Stuttgarter Rosensteinparks gefällt werden. Zum Ausgleich für die gefällten Bäume wird nun eine Waldfläche nahe der Schönbuch-Gemeinde Waldenbuch aufgewertet, damit dort neue Lebensräume für den Juchtenkäfer entstehen.

Die Auswahl des Waldgebiets und der einzelnen Bäume erfolgte in Abstimmung mit der höheren Naturschutzbehörde des Regierungspräsidiums Stuttgart, der zuständigen unteren Forstbehörde beim Landratsamt Böblingen sowie den beauftragten Fachgutachtern. Nach Kenntnisstand der Beteiligten ist diese Maßnahme die erste ihrer Art in Deutschland.

„Ich freue mich, dass mit der Kohärenzsicherungsmaßnahme bei Waldenbuch der Lebensraum dort bereits vorkommender Juchtenkäferpopulationen optimiert und langfristig gesichert werden kann. Das Amt für Forsten des Landkreises Böblingen versteht sich als forstlicher Dienstleister im urban geprägten Raum der Metropolregion Stuttgart. Es unterstützte die Deutsche Bahn bei der Konzepterstellung und jetzt auch bei der Umsetzung der festgelegten Maßnahmen“, betonte der Erste Landesbeamte und stellvertretende Landrat Martin Wuttke bei einem Termin im Gebiet der Artenschutzmaßnahme am heutigen Dienstag.

„Umweltschutz ist für die Deutsche Bahn eine Selbstverständlichkeit – und das schon seit über 100 Jahren“, sagte Manfred Leger, Geschäftsführer der DB Projekt Stuttgart–Ulm GmbH. "Im Bahnprojekt Stuttgart–Ulm siedeln wir beispielsweise Mauer- und Zauneidechsen um, kümmern uns um den Erhalt verschiedener Froscharten und Lurche, Fledermäuse, Bienen, Heuschrecken und eben auch wie hier im Schönbuch um den Artenschutz des Juchtenkäfers. Wir sind dem Amt für Forsten des Landkreises Böblingen ausgesprochen dankbar für die große Unterstützung bei der Umsetzung dieser Maßnahme und wissen das große Engagement aller Beteiligten sehr zu schätzen."

Aufwertung in mehreren Schritten
Bei der Aufwertung des Waldes werden nun in einem ersten Schritt zwölf Bäume von verschattenden Bäumen freigestellt, zwölf weitere Bäume werden absichtlich mit Löchern versehen, damit sich Höhlen für die Juchtenkäfer bilden. Langfristig werden weitere zwölf Bäume, die derzeit noch kein Potenzial für eine Besiedlung durch den Juchtenkäfer haben, als Lebensraum für Juchtenkäfer vorbereitet. Zwei Vorkommen von Juchtenkäfern sollen mit diesen Maßnahmen miteinander verbunden werden.

Bei der Maßnahme handelt es sich um ein herausragendes Waldnaturschutzprojekt mit einer langfristigen und nachhaltigen Wirkung für den Juchtenkäfer. Ziel ist es, den Juchtenkäfern im Bereich Waldenbuch auch in den nächsten 200 bis 300 Jahren gute Lebensbedingungen anzubieten.

Die Entwicklung der Waldbestände wird mit einem Monitoring überwacht und kontinuierlich dokumentiert. Dazu wird ein Vertrag zwischen der Deutschen Bahn und dem Forst Baden-Württemberg geschlossen. Die Maßnahme wird voraussichtlich mindestens 400 000 Euro kosten.

Zustimmung der EU-Kommission
Um die Juchtenkäferverdachtsbäume im Rosensteinpark fällen zu dürfen, beantragte die DB Projekt Stuttgart–Ulm GmbH im August 2015 eine Planänderung. Die Planänderung war trotz bereits im Januar 2007 ergangenem Planfeststellungsbeschluss, der einer Baugenehmigung entspricht, notwendig geworden, nachdem die europäische Artenschutzrichtlinie (FFH-RL) in nationales Recht umgesetzt wurde (Bundes Naturschutzgesetz (BNatSchG)). Im Zuge des Planänderungsverfahrens war schließlich die Zustimmung der EU-Kommission erforderlich, die im Rahmen einer Stellungnahme im Januar 2018 zweieinhalb Jahre nach Beantragung der Planänderung erfolgte. Bei der Fällung im Februar 2018 stellte sich heraus, dass an allen sechs Bäumen keine Juchtenkäferbesiedelung nachgewiesen werden konnte. Lediglich in einem Baum wurden Larven des Rosenkäfers gefunden.