Architektur


Der Durchgangsbahnhof ist im Vergleich zum jetzigen Kopfbahnhof um 90 Grad gedreht und tiefer gelegt. Der historische Bonatzbau mit seinem stadtbildprägendem Empfangsgebäude, dem Turm, den Schalterhallen und dem Arkadengang bleibt das Entree der neuen Verkehrsstation.

Die großen Lichtaugen schaffen in der unterirdischen Bahnhofshalle eine helle, angenehme Atmosphäre. Über der Bahnhofshalle entsteht ein großer, klar konturierter Platz, der Manfred-Rommel-Platz, der in die Parklandschaft des Schlossgartens integriert ist. Er verbindet den Kurt-Georg-Kiesinger-Platz und den Schlossgarten in der einen sowie den Bonatzbau und den neuen Stadtteil in der anderen Richtung.

Das Konzept des neuen Hauptbahnhofs Stuttgart basiert auf dem Entwurf der Architekten Ingenhoven, Overdiek, Kahlen und Partner, heute: ingenhoven architects, aus Düsseldorf, für den das Preisgericht am 4. November 1997 einstimmig votierte.

Daten und Fakten

  • Länge: 447 Meter
  • Breite: 80 Meter
  • Höhe: 9 bis 12 Meter
     
  • Gleise: 8
  • Bahnsteige: 4
     
  • Panoramaaufzüge: 15 (plus 3 im Bonatzbau)
  • Fahrtreppen: 35 (plus 14 im Bonatzbau)
     
  • Kelchstützen aus Sichtbeton: 28

  • Glasgitterschalen:   4

  • Standorte der Glasgitterschalen:   
    + Bahnhofsturm Bonatzbau
    + Kurt-Georg-Kiesinger-Platz
    + Europaviertel
    + Staatsgalerie
     
  • Höhe der Glasgitterschalen:
    - 10 Meter am Bahnhofsturm
    - 10 Meter Europaviertel
    - 8,60 Meter Kurt-Georg-Kiesinger Platz
    - 7 Meter an der Staatsgalerie
     
  • Lichtaugen: 27
  • Höhe der Lichtaugen:   4,30 Meter
  • Abstand der Lichtaugen zueinander:   17,90 Meter

302.000 Ein- und Aussteiger pro Tag

Die Architektur schafft Helligkeit – auch in der tiefer liegenden Bahnhofshalle. Durch die Lichtaugen mit den Wölbungen und Öffnungen kann sich das Tageslicht bis zu 14 Stunden gleichmäßig im Inneren verteilen. In der Dämmerung und Dunkelheit wird die helle Unterseite der Schalendecke als Reflexionsfläche für die künstliche Beleuchtung genutzt. Dadurch kommt die Charakteristik des Raumes bei Tag und Nacht gleichermaßen zur Geltung.

Das Typische des neuen Stuttgarter Hauptbahnhofs – seine erdüberdeckte Betonschalenkonstruktion und die gleichmäßig verteilten Lichtaugen – ermöglicht eine natürliche Raumklimatisierung ohne zusätzliche Energiezufuhr. Anders als bei übergroßen Glasflächen heizt sich die Bahnhofshalle mit ihren größenoptimierten Lichtaugen nicht übermäßig auf. Das angrenzende Erdreich kühlt im Sommer auf natürliche Weise, gleichzeitig wird die Bahnhofshalle über die Schub-Bewegungen der ein- und ausfahrenden Züge sowie eine Durchströmung mit der kühleren Tunnelluft (im Hochsommer durchschnittlich 10°C bis 20°C) belüftet. Die isolierende Wirkung des Erdreichs wirkt sich auch im Winter positiv aus: Bei einer Minimaltemperatur von rund 10°C in der Bahnhofshalle (die erst bei einer Außentemperatur von ca. -20°C erreicht wird) kann auf eine künstliche Heizung verzichtet werden.



Der Bahnhof wird immer der Bonatzbau bleiben.In Zukunft muss man nur 6 Meter nach unten zu den Gleisen

Christoph Ingenhoven

Christoph Ingenhoven
Vortrag des Architekten Christoph Ingenhoven | 27.04.2009