Abstellbahnhof Untertürkheim | PfA 1.6b

Überblick

Auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs entsteht im Rahmen des Planfeststellungsabschnitts 1.6b der neue Abstellbahnhof Untertürkheim. Die kompakte, nach modernen Grundsätzen organisierte Anlage ersetzt den Abstellbahnhof am Rosensteinpark. Auf dem rund 1,5 km langen Betriebsbahnhof entstehen 27 Abstellgleise mit einer Gesamtlänge von 7,4 km sowie Anlagen zur Außen-/Innenreinigung, Wartung und Betankung.

Die Zufahrten zum Abstellbahnhof werden im benachbarten Planfeststellungsabschnitt 1.6a beschrieben. Neben dem Abstellbahnhof Untertürkheim entstehen weitere Abstellanlagen außerhalb Stuttgarts.

Sebastian Glöckner

PFA 1.6a | Zuführung Ober-/Untertürkheim
PFA 1.6b | Abstellbahnhof Untertürkheim


Bezug - Das Projektmagazin | Juli 2016 | Serie: Berufene Ingenieure

Ein paar Kilometer entfernt arbeitet in Untertürkheim ebenfalls ein vergleichsweise junger Bauingenieuran einer großen Aufgabe. Er gilt als ausgewiesener Experte für innerstädtisches Bauen unter dem rollenden Rad. Sebastian Glöckner, Jahrgang 1977, ist als Projektleiter dafür zuständig, dass die Stuttgart-21-Strecken vom Hauptbahnhof nach Ober- und Untertürkheim und auch der Abstellbahnhof an die bestehenden Strecken angebunden werden. Zudem betreut derIngenieur auch noch den Haltepunkt Feuerbach. Auch das ist eine Mammutaufgabe. Glöckner ist für 30 Ingenieure in seinem Team verantwortlich und wacht über ein Budget von rund 300 Millionen Euro.

Draußen vor dem Fenster seines Büros rumpelt ein Güterzug vorbei. Drinnen erzählt ein sympathischer Mann von seiner Mission. Auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs entsteht im Rahmen des Planfeststellungsabschnitts1.6b der neue Abstellbahnhof Untertürkheim. Die kompakte, nach modernen Grundsätzen organisierte Anlage ersetzt den Abstellbahnhof am Rosensteinpark. Auf dem rund 1,5 Kilometer langen Betriebsbahnhof entstehen 13 Abstellgleise mit einer Gesamtlänge von acht Kilometern sowie Anlagen zur Außen-/Innenreinigung und Wartung der Fahrzeuge.

Glöckners Abschnitt ist einer der letzten, die noch planfestgestellt werden müssen. Anspruchsvoll ist das Werk nicht zuletzt wegen der dort vorkommenden 5.000 bis 6.000 Eidechsen, die eingesammelt und umgesiedelt werden müssen, bevor gebaut werden kann. „Wir haben in meinem Bereich sehr viele dieser Tiere“, sagt Ingenieur Glöckner. Im Anbindungsbereich wurden bereits einige in ein Habitat auf Zeit versetzt und sollen nach den Arbeiten wieder zurückgebracht werden. Ein gewaltiges und durchaus auch kostspieliges Umsiedlungsprojekt.

Eine besondere Herausforderung liegt auch in der Anbindung des neuen Ober- und Untertürkheimer Tunnels an die bestehende Hauptstrecke nach Ulm sowie den Haltepunkt Feuerbach. Der besondere Anspruch liegt darin, dass unter laufendem Betrieb gebaut wird. Unter Sebastian Glöckners Regie werden neue Bauwerke in bestehende Gleisanlagen integriert, wofür partiell der ohnehin eng getaktete Zugverkehr unterbrochen werden muss, was langfristig anzumelden ist und also organisatorisch einen entsprechenden Vorlauf hat.

„Wir bauen mitten in der Stadt, haben entsprechend wenig Platz und sind an neuralgischen Punkten unterwegs“, beschreibt der Ingenieur im Kern die Herausforderung. Am Ende muss sein Werk gelingen, damit der Bahnbetrieb reibungslos funktionieren kann und die vorhandenen Kapazitäten am Abstellbahnhof ausreichen, um in Nebenzeiten genügend Regionalverkehrszüge, S-Bahnen und Fernzüge abstellen zu können, damit sie zur Hauptverkehrszeit wieder schnell auf der Strecke sind. Für diese Aufgabe weiß sich der gebürtige Magdeburger durch seine bisherigen Stationen bestens gerüstet. Ehe Sebastian Glöckner bei der DB Projekt Stuttgart–Ulm GmbH angefangen hat, verdiente er sein Geld viele Jahre lang als Ingenieur in der freien Wirtschaft, hat in Norwegen Autobahnen, in Magdeburg Kanäle und in Berlin Straßen gebaut, bevor er in München als Abschnittsbauleiter im Bahnbau landete. Dabei wirkte er mit an der Aus- und Neubaustrecke Nürnberg–München: klassisches Bauen unter rollendem Rad. „Dieses Projekt hat mich besonders geprägt“, sagt Glöckner und lächelt. „Dort habe ich auch meine Frau kennengelernt und den Polterabend auf der Baustelle gefeiert.“

Seit 2009 ist er Gastdozent an der Fachhochschule Stuttgart, seit 2013 Projektleiter. „Diesen Abschnitt von Stuttgart 21 zu betreuen ist mit Sicherheit die bisher spannendste und interessanteste Aufgabe“, sagt Glöckner, der Bauingenieurwesen an der Fachhochschule in Magdeburg studiert hat. In Stuttgart hat er sich eine kleine Wohnung genommen, um das gewaltige Pensum bewältigen zu können. Wann immer es möglich ist, fährt er 1,5 Stunden nach Hause, um bei seiner Frau und den drei Töchtern zu sein. „Wir leben zwischenzeitlich schon seit zehn Jahren in Crailsheim und das werden wir wohl auch noch, wenn Stuttgart 21 längst in Betrieb genommen wurde“, sagt er. So lange will er auf jeden Fall beim Projekt bleiben. „Es ist unglaublich faszinierend, an Stuttgart 21 mitzuwirken, nicht nur als Ingenieur, sondern auch als Mensch“, sagt Sebastian Glöckner zum Abschluss. „Es gibt so viele Begegnungen, und das macht mir unglaublich Spaß.“

 

 

Chronologie

Die DB Projekt Stuttgart–Ulm GmbH hat im Dezember 2014 Planunterlagen beim Eisenbahn-Bundesamt neu eingereicht (siehe Presseinformation vom 17.12.2014).

Die Bahn hat sich im laufenden Anhörungsverfahren entschieden, die Spurpläne für den Abstellbahnhof Untertürkheim zu modifizieren und optimieren. Für die Lärmemission ist in Zusammenhang mit dem Abstellbahnhof ein gegenüber der zuerst ausgelegten Planunterlagen, neues Lärmschutz-Gutachten in Auftrag gegeben worden.
Darüber hinaus gibt es wie im PFA 1.6a auch im PFA 1.6b ein Eidechsen-Vorkommen. Für den Bereich des Abstellbahnhofs sollen die Erkenntnisse aus einer Planänderung im PFA 1.6a genutzt werden.

Bahn hat für S21 Abstellbahnhof in Stuttgart Untertürkheim neue Konzeption

Presseinformation vom 17.12.2014