Die Kosten
Neuordnung Bahnknoten Stuttgart (S21)

Am 26.Januar 2018 hat der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn AG beim Projekt Stuttgart 21 einen Finanzierungsrahmen von 8.200 Mio. Euro genehmigt. Die im Finanzierungsrahmen enthaltene Risikovorsorge in Höhe von 495 Mio. Euro dient zur Berücksichtigung unvorhergesehener Ereignisse, der nur bei vorheriger Zustimmung des Aufsichtsrates in Anspruch genommen werden kann. Am 19.Juni 2019 hat der Aufsichtsrat diese Risikovorsorge freigegeben, um mögliche Kostensteigerungen auf Grund erhöhter Marktpreise bei den noch ausstehenden Vergaben kompensieren zu können.


Entwicklung von Kosten und Prognosen

Der am 2. April 2009 von den Projektpartnern unterzeichnete Finanzierungsvertrag sah zum Planungs- und Preisstand 1. Januar 2004 Gesamtkosten des Projekts in Höhe von 3.076 Mio. Euro vor – einschließlich einer unterstellten allgemeinen Kostensteigerung (§ 5, Absatz 1). Inklusive eines Risikotopfes in Höhe von 1.450 Mio. Euro betrug der Finanzierungsrahmen 4.526 Mio. Euro. Den Vertragsparteien war somit bekannt, dass sich die vorläufig ermittelten Kosten verändern können (§ 5, Absatz 2 des Finanzierungsvertrags).

Im Jahr 2009 wurde die Kostenschätzung insbesondere auf der Grundlage des Abschlusses von Entwurfsplanungen für weitere Planfeststellungsabschnitte vorangebracht. Im Dezember 2009 ergab sich daraus eine Gesamtkostenschätzung (im DB-internen Sprachgebrauch "Gesamtwertumfang" oder abgekürzt GWU) in Höhe von 4.088 Mio. Euro. Diese hat der Lenkungskreis S21 am 10. Dezember 2009 gebilligt.

10.12.2009
Auszug Unterlage aus der Sitzung des Lenkungskreis vom 10.12.2009
Auszug Unterlage aus der Sitzung des Lenkungskreis vom 10.12.2009

Im März 2011 listete die Projektleitung mögliche Chancen und Risiken (Dokument vom 25.3.2011 - sog. "Azer-Liste" ) auf und kam weiterhin zu dem Schluss, dass Stuttgart 21 innerhalb des Finanzierungsrahmens von 4.526 Mio. Euro zu realisieren sei (Projektleiter Hany Azer im Interview mit den Stuttgarter Nachrichten, erschienen am 20. Mai 2011 unter der Überschrift undefined "Azer wirft nicht das Handtuch"). Dennoch erfolgte nach dieser Aufstellung im Sommer 2011 eine erneute Überprüfung der Kostenprognose. Am 23. September 2011 wurden sodann im Lenkungskreis Indikatoren für Kostensteigerungen (etwa Vergabe-Risiken) benannt. Im darauf folgenden Lenkungskreis am 23. März 2012 wurde die Kostenprognose mit 4.330 Mio. Euro angegeben (Kosten 4.136 Mio. Euro plus Nominalisierung in Höhe von 194 Mio. Euro).

Auszug Unterlage aus der Sitzung des Lenkungskreis vom 23.09.2011
Auszug Unterlage aus der Sitzung des Lenkungskreis vom 23.09.2011

Im April 2012 startete ein umfangreiches Verfahren, das sogenannte Sechs-Punkte-Programm, zur erneuten Abschätzung der Kostenbasis und zur Generierung von Einsparungen. Eine unabhängige Wirtschaftsprüfungsgesellschaft überprüfte das Sechs-Punkte-Programm anschließend im Auftrag des Vorstands der Deutschen Bahn AG. Im Ergebnis genehmigte der Aufsichtsrat am 5. März 2013 eine Erhöhung des Finanzierungsrahmens auf 6.526 Mio. Euro (5.987 Millionen Euro Gesamtwertumfang plus weiterer Risikopuffer in Höhe von 539 Mio. Euro). Der Gesamtwertumfang, GWU 2013 genannt, setzt sich zusammen aus dem Betrag von 3.765 Mio. Euro, dem sogenannten GWU 2009, und Risikopuffern in Höhe von 2.221 Mio. Euro.

 

05.03.2013

Chancen und Risiken sind stets im Vergleich zu einem Ausgangspunkt aufzuzeigen. Im Projekt Stuttgart 21 ist dies der GWU 2009. Infolge des Sechs-Punkte-Programms wurden vier Risikopuffer, zu denen der weitere Puffer in Höhe von 539 Mio. Euro nicht gehört, als Teil des GWU 2013 geschaffen:

  1. Der Puffer für zum Zeitpunkt des Sechs-Punkte-Programms identifizierte konkrete Chancen und Risiken in Höhe von 1.061 Mio. Euro, der aus konkreten Nachtragsrisiken und sonstigen konkreten Risiken besteht (6PP-Puffer);
     
  2. der Allgemeine Risikopuffer in Höhe von 730 Mio. Euro, der insbesondere für nicht konkrete Nachtragsrisiken gebildet wurde;
     
  3. der Nominalisierungspuffer in Höhe von 330 Mio. Euro, der für Preissteigerungen jeweils noch ausstehender Vergaben genutzt wird;
     
  4. der Terminpuffer in Höhe von 100 Mio. Euro, der insbesondere für Beschleunigungsmaßnahmen genutzt wird.

 

26.01.2018

Am 26.Januar 2018 hat der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn AG einen Finanzierungsrahmen von 8.200 Mio. Euro genehmigt.

 

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